Deutschland gehört zu den größten Industrieländern der Welt. Gleichzeitig bedeutet dies, dass in vielen Industrie-, Büro- und Gewerbeimmobilien Lüftungsanlagen im Einsatz sind, die bereits vor 15, 20 oder sogar 25 Jahren installiert wurden. Viele dieser Anlagen funktionieren technisch noch einwandfrei und erfüllen weiterhin ihre ursprüngliche Aufgabe: große Luftmengen zuverlässig durch das Gebäude zu bewegen.
Die Lüftungstechnik hat sich jedoch in den vergangenen zwei Jahrzehnten erheblich weiterentwickelt. Während ältere Anlagen häufig nach dem einfachen Ein/Aus-Prinzip arbeiteten, verfügen moderne Systeme über Frequenzumrichter, CO₂-Sensoren, Drucksensoren, bedarfsgerechte Steuerungen und intelligente Energiesparfunktionen.
In vielen älteren Lüftungsanlagen fehlen diese Technologien vollständig. Die Anlage läuft unabhängig davon, ob sich fünf oder fünfhundert Personen im Gebäude befinden. Dadurch bleiben Unterschiede bei Energieverbrauch und Filterleistung häufig unbemerkt.
Genau hier liegt eines der größten Probleme, dem in der Praxis oft zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird.
F7 – eine bekannte Bezeichnung, aber was bedeutet sie heute noch?
Viele Fachleute in der Lüftungsbranche kennen noch die frühere Norm EN 779. Über viele Jahre galt beispielsweise ein F7-Filter als Standardlösung für die Zuluftfiltration.
Bis heute werden in Deutschland zahlreiche Filter mit der Kennzeichnung F7 angeboten. Häufig erkennt man diese Produkte an dem traditionell rosa oder rötlich gefärbten Filtermedium. Für viele Betreiber und Wartungsunternehmen ist diese Optik über Jahre hinweg zu einem vertrauten Symbol für einen Zuluftfilter geworden.
Das Problem besteht darin, dass die Norm EN 779 bereits vor Jahren durch die internationale Norm ISO 16890 ersetzt wurde.
Die Kennzeichnung F7 allein liefert heute keine ausreichenden Informationen mehr darüber, welche Partikel ein Filter tatsächlich abscheidet, welchen Beitrag er zur Luftqualität leistet oder wie er den Energieverbrauch einer Lüftungsanlage beeinflusst.
Die entscheidende Frage sollte daher nicht mehr lauten, ob ein Filter als F7 bezeichnet wird, sondern welche ISO-16890-Klassifizierung er tatsächlich besitzt.
Warum ISO 16890 heute entscheidend ist
Die Norm ISO 16890 bewertet Luftfilter anhand ihrer tatsächlichen Fähigkeit, Partikel unterschiedlicher Größen aus der Luft zu entfernen.
Dabei werden Filter in verschiedene Klassen eingeteilt:
- ePM10 – für größere Partikel
- ePM2,5 – für feinere Partikel
- ePM1 – für die kleinsten und gesundheitlich relevantesten Partikel
Besonders die ePM1-Partikel stehen im Fokus moderner Luftfiltration.
Diese Partikel sind kleiner als 1 Mikrometer und können tief in die Lunge eindringen sowie teilweise sogar in den Blutkreislauf gelangen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt Feinstaub zu den bedeutendsten luftbedingten Gesundheitsrisiken weltweit. Feinstaub wird unter anderem mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen und verschiedenen Krebsarten in Verbindung gebracht.
Aus diesem Grund empfehlen die meisten modernen Lüftungsanlagenhersteller heute ePM1-Filter für die Zuluftfiltration.
Sind alle F7-Filter automatisch ePM1-Filter?
Die kurze Antwort lautet: Nein.
Eine der häufigsten Fehlannahmen am Markt besteht darin, dass ein nach der alten EN-779-Norm klassifizierter F7-Filter automatisch einem modernen ePM1-Filter entspricht. Tatsächlich lassen sich diese beiden Standards nicht direkt miteinander vergleichen.
EN 779 und ISO 16890 basieren auf unterschiedlichen Prüfmethoden und Bewertungsverfahren. Deshalb sollte jeder Filter anhand seiner tatsächlichen ISO-16890-Klassifizierung beurteilt werden und nicht ausschließlich anhand einer historischen F7-Bezeichnung.
In der Praxis finden sich noch viele traditionelle F7-Filter mit rosa oder rötlichem Filtermedium, deren tatsächliche ISO-16890-Leistung nicht unbedingt dem ePM1-Bereich entspricht. Zahlreiche Produkte erreichen eher eine Einstufung im Bereich ePM2,5 oder sogar ePM10 und entfernen damit deutlich größere Partikel als moderne ePM1-Filter.
Das bedeutet, dass solche Filter zwar die Anforderungen der früheren F7-Klassifizierung erfüllen können, jedoch nicht zwangsläufig den gleichen Schutz vor den gesundheitlich kritischsten Feinstaubpartikeln bieten.
Besonders problematisch ist dabei, dass sich verschiedene Filter optisch oft kaum unterscheiden. Die traditionelle rosa oder rötliche Farbe wird von vielen Marktteilnehmern noch immer mit einem hochwertigen Zuluftfilter assoziiert. Tatsächlich sagt die Farbe jedoch nichts über die tatsächliche ISO-16890-Klassifizierung oder die Fähigkeit zur Abscheidung von ePM1-Partikeln aus.
Gebäudebetreiber und Wartungsunternehmen sollten deshalb niemals ausschließlich auf die F7-Kennzeichnung oder die Optik eines Filters vertrauen. Entscheidend sind die dokumentierte ISO-16890-Klassifizierung und die Anforderungen des Anlagenherstellers.
Moderne Lüftungsanlagen werden für bestimmte Filter ausgelegt
Ein Aspekt, der häufig unterschätzt wird, ist die Wechselwirkung zwischen Lüftungsanlage und Luftfilter.
Moderne Lüftungsgeräte werden von den Herstellern für bestimmte Filterklassen ausgelegt. Ventilatoren, Luftmengen, Druckverluste, Regelungsstrategien und Energieverbrauch werden auf Basis definierter Filtereigenschaften berechnet.
Viele dieser Geräte verfügen zudem über eine Eurovent-Zertifizierung, welche die Energieeffizienz der Anlage dokumentiert.
Wenn ein Hersteller beispielsweise die Energieklasse A oder A+ unter Verwendung bestimmter ePM1-Filter erreicht hat, bedeutet dies nicht automatisch, dass dieselbe Energieeffizienz mit beliebigen Ersatzfiltern erhalten bleibt.
Werden Filter mit anderen Druckverlusten, anderer Energieeffizienz oder abweichender Filterleistung eingesetzt, kann dies die Leistung des gesamten Systems beeinflussen.
Mögliche Folgen sind:
- höherer Energieverbrauch
- geringere Luftmengen
- schlechtere Regelbarkeit der Anlage
- reduzierte Innenraumluftqualität
- höhere Belastung der Ventilatoren
- verkürzte Lebensdauer der Komponenten
Warum der günstigste Filter oft die teuerste Lösung ist
Beim Einkauf von Luftfiltern konzentrieren sich viele Betreiber zunächst auf den Anschaffungspreis.
Tatsächlich macht der Kaufpreis jedoch häufig nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten eines Filters aus.
Deutlich größere Kosten entstehen durch:
- Stromverbrauch
- Ventilatorleistung
- Wartungsaufwand
- Verschleiß der Anlagentechnik
- Austauschintervalle
Studien zeigen, dass Luftfilter für etwa 10 bis 20 Prozent des Energieverbrauchs eines Lüftungssystems verantwortlich sein können. Je nach Gebäudeart entspricht dies etwa 5 bis 10 Prozent des gesamten Energieverbrauchs eines Gebäudes.
Deshalb sollte die entscheidende Frage nicht lauten:
„Was kostet dieser Filter?“
Sondern:
„Was kostet mich dieser Filter pro Jahr?“
Die Folgen tragen Gebäudeeigentümer und Nutzer
Am Ende tragen weder der Filter noch der Lieferant die Folgen einer ungeeigneten Filterwahl.
Die Kosten entstehen beim Gebäudeeigentümer.
Werden gesundheitlich relevante Feinstaubpartikel nicht ausreichend abgeschieden, leidet die Innenraumluftqualität.
Entsprechen die eingesetzten Filter nicht den Auslegungsparametern der Anlage, steigen Energieverbrauch und Betriebskosten.
Werden Filter verwendet, deren tatsächliche Leistung nicht den Anforderungen entspricht, verliert der Betreiber sowohl Energieeffizienz als auch Luftqualität – zwei Faktoren, in die ursprünglich investiert wurde.
Die größten Verlierer sind jedoch die Menschen, die täglich in diesen Gebäuden arbeiten, lernen und/oder leben.
Fazit
Die Lüftungsbranche hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren grundlegend verändert. Gleichzeitig werden vielerorts noch Denkweisen und Bezeichnungen verwendet, die aus einer Zeit stammen, in der die ISO-16890-Norm noch nicht existierte.
Die Kennzeichnung F7 allein liefert heute keine ausreichenden Informationen über die tatsächliche Leistungsfähigkeit eines Filters und bietet keine Garantie für den Schutz vor gesundheitsschädlichen Feinstaubpartikeln.
Vor dem Kauf eines Luftfilters sollten daher drei einfache Fragen gestellt werden:
- Welche ISO-16890-Klassifizierung besitzt der Filter tatsächlich?
- Wie hoch ist sein Energieverbrauch über die gesamte Lebensdauer?
- Schützt er die Gebäudenutzer wirksam vor ePM1-Partikeln?
Wenn der Hersteller einer Lüftungsanlage einen ePM1-Filter vorgibt, geschieht dies in der Regel aus gutem Grund. Die richtige Filterwahl beeinflusst nicht nur die Stromkosten, sondern auch die Luftqualität, die Lebensdauer der Anlage und letztlich die Gesundheit der Menschen im Gebäude.
Der günstigste Filter ist daher nicht immer die wirtschaftlichste Lösung. Oft ist der beste Filter derjenige, der Energie spart, saubere Luft liefert und die Lüftungsanlage so arbeiten lässt, wie ihr Hersteller es vorgesehen hat.


